Eine Umschulung ohne Ausbildung ist möglich: Die Agentur für Arbeit kann Menschen ohne Berufsabschluss dabei fördern, einen anerkannten Abschluss nachzuholen. Neben der klassischen Umschulung gibt es Teilqualifikationen und die Externenprüfung. Wer keinen neuen Berufsabschluss braucht, sondern schnell Fachwissen für ein Berufsfeld sucht, kann auch eine Weiterbildung ohne Ausbildung wählen.

Umschulung oder Weiterbildung: Was ist der Unterschied?
Eine Umschulung soll laut Berufsbildungsgesetz zu einer anderen beruflichen Tätigkeit befähigen. In der Praxis endet sie mit einer Prüfung vor der Kammer und einem anerkannten Berufsabschluss, zum Beispiel als Kauffrau oder Kaufmann. Sie ist gegenüber der regulären Ausbildung um mindestens ein Drittel verkürzt. Laut Bundesagentur für Arbeit (BA) dauert eine Umschulung in einem dreijährigen Ausbildungsberuf in der Regel zwei Jahre.
Eine Weiterbildung ist meist kürzer. Sie vermittelt gezielt Kenntnisse für ein Berufsfeld und endet mit Zertifikaten, aber nicht mit einem staatlich anerkannten Berufsabschluss. Welche Form für dich besser ist, hängt davon ab, ob dein Wunschberuf einen formalen Abschluss verlangt oder ob Arbeitgeber vor allem auf Kenntnisse und Praxis achten.
Welche Wege gibt es ohne Berufsabschluss?
Die BA nennt mehrere Wege, einen Abschluss nachzuholen oder dich weiterzuqualifizieren:
- Umschulung: Du lernst einen neuen Ausbildungsberuf in verkürzter Zeit, entweder in einem Betrieb oder bei einem Bildungsträger.
- Teilqualifikationen: Der Ausbildungsberuf wird in Bausteine aufgeteilt. Jeden Baustein schließt du mit einem Zertifikat ab. Hast du alle Bausteine absolviert, kannst du die Prüfung vor der Kammer ablegen.
- Externenprüfung: Du hast lange in einem Beruf gearbeitet, aber keinen Abschluss? Nach § 45 BBiG kannst du zur Abschlussprüfung zugelassen werden, wenn du mindestens das Eineinhalbfache der Ausbildungszeit in dem Beruf tätig warst.
- Weiterbildung: Du erwirbst in einigen Monaten Fachwissen und Zertifikate für ein Berufsfeld, ohne einen neuen Berufsabschluss zu machen.
- Reguläre Ausbildung: Auch als Erwachsener kannst du eine Ausbildung beginnen, zum Beispiel wenn eine Umschulung nicht infrage kommt.
Welche Förderung gibt es für eine Umschulung ohne Ausbildung?
Nach § 81 Abs. 2 SGB III kann die Agentur für Arbeit Menschen ohne Berufsabschluss fördern, wenn sie für den angestrebten Beruf geeignet sind und ihre Beschäftigungschancen damit verbessern. Wie jemand ohne Abschluss kann unter Umständen auch behandelt werden, wer zwar einen Abschluss hat, aber mehr als vier Jahre an- oder ungelernt gearbeitet hat und deshalb voraussichtlich nicht mehr im erlernten Beruf arbeiten kann. Wer weniger als drei Jahre berufstätig war, wird nur unter zusätzlichen Bedingungen gefördert. Zeiten der Arbeitslosigkeit und der Kindererziehung zählen dabei wie Berufstätigkeit.
Die Förderung erfolgt in der Regel über einen Bildungsgutschein. Die Agentur kann die Lehrgangskosten übernehmen und unter bestimmten Voraussetzungen auch Fahrtkosten und Lernmittel. Bei einer betrieblichen Umschulung bekommst du laut BA eine Ausbildungsvergütung, die Agentur kann zusätzlich Arbeitslosengeld zahlen. Mehr dazu unter Umschulung über das Arbeitsamt.
Weiterbildungsgeld und Weiterbildungsprämie
Für abschlussbezogene Weiterbildungen gibt es nach § 87a SGB III zusätzliche Geldleistungen. Sie gelten für geförderte Weiterbildungen, die zu einem Abschluss in einem Ausbildungsberuf mit mindestens zweijähriger Ausbildungsdauer führen:
- Weiterbildungsgeld: Arbeitslose erhalten zusätzlich einen monatlichen Zuschuss von 150 €.
- Weiterbildungsprämie: 1.000 € nach bestandener Zwischenprüfung beziehungsweise dem ersten Teil einer gestreckten Abschlussprüfung, 1.500 € nach bestandener Abschlussprüfung.
Wichtig: Diese Leistungen gibt es nur bei Weiterbildungen, die zu einem Berufsabschluss führen. Bei Weiterbildungen, die mit Zertifikaten enden, fallen sie nicht an. Ob das Arbeitslosengeld während der Weiterbildung weitergezahlt wird, erklärt der Ratgeber Arbeitslosengeld während der Weiterbildung.

Weiterbildung ohne Ausbildung: Wann ist das sinnvoll?
Nicht jeder Beruf verlangt einen formalen Abschluss. In manchen Berufsfeldern zählen für Arbeitgeber vor allem Kenntnisse, Werkzeuge und Kommunikationsstärke. Dann kann eine Weiterbildung ohne Ausbildung der schnellere Weg sein, weil sie meist nur einige Monate dauert statt zwei Jahre.
Eine Weiterbildung ist sinnvoll, wenn du:
- schnell wieder in Arbeit kommen willst,
- ein Berufsfeld anstrebst, in dem Stellenanzeigen eher Kenntnisse als einen bestimmten Abschluss verlangen,
- dir eine zweijährige Umschulung finanziell oder zeitlich nicht vorstellen kannst,
- bereits Berufserfahrung mitbringst, die du mit neuem Wissen ergänzen möchtest.
Eine Umschulung ist sinnvoller, wenn dein Wunschberuf einen anerkannten Abschluss voraussetzt oder du langfristig die formale Qualifikation willst. Prüfe dazu die Anforderungen im BERUFENET der BA und in aktuellen Stellenanzeigen.
So gehst du vor
- Informiere dich im BERUFENET und im Portal mein NOW über Berufe und Weiterbildungen.
- Lass dich beraten: Bist du arbeitslos, ist deine Ansprechperson bei der Agentur für Arbeit oder beim Jobcenter zuständig. Bist du beschäftigt, hilft die Berufsberatung im Erwerbsleben der BA, erreichbar unter der kostenfreien Nummer 0800 4 555500.
- Kläre die Förderung vor Beginn. Ohne vorherige Beratung und Zusage gibt es in der Regel keinen Bildungsgutschein.
- Wähle einen zugelassenen Träger. Worauf du achten solltest, steht unter Qualitätsmerkmale einer Weiterbildung.
Bist du gerade ohne Job, melde dich rechtzeitig. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Arbeitslos melden. Was bei einer Ablehnung hilft, liest du unter Bildungsgutschein abgelehnt.
Geförderte Weiterbildung im Vertrieb
Der Vertrieb ist ein Berufsfeld, in das viele Menschen aus anderen Bereichen wechseln. Die Sales Akademie bietet dafür zwei geförderte Vollzeit-Weiterbildungen an: den Sales Manager im digitalen Vertrieb (8 Monate) und den Digital Sales Manager (5 Monate). Beide finden im virtuellen Klassenzimmer statt. Laptop, Headset und Maus werden gestellt.
Die Weiterbildungen sind keine Umschulungen und führen nicht zu einem anerkannten Berufsabschluss. Du kannst dabei 9 Zertifikate erwerben, darunter 3 IHK-Zertifikate, eine Salesforce-Zertifizierung und 4 HubSpot-Zertifikate. Für den Digital Sales Manager brauchst du Deutsch auf B2-Niveau und PC-Grundkenntnisse. Welche Voraussetzungen in deinem Fall gelten, klären wir in der Beratung. Ob du gefördert wirst, entscheidet der Kostenträger, etwa die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter.
Kostenlose Beratung
Du hast keinen Berufsabschluss und überlegst, ob eine Weiterbildung im Vertrieb zu dir passt? In einer kostenlosen Beratung besprechen wir deine Optionen und prüfen die Förderfähigkeit. Du erreichst uns auch unter 030 31192051.
Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung.
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