Der Quereinstieg in den Vertrieb gelingt, wenn du Erfahrung im Umgang mit Menschen mitbringst und dir das fehlende Handwerkszeug gezielt aneignest: Vertriebsmethodik, CRM-Systeme und digitale Tools. Ein häufiger Weg führt über eine geförderte Weiterbildung, etwa mit Bildungsgutschein, und danach in den Inside Sales, den Vertriebsinnendienst oder das Account Management.

Quereinsteiger wird an seinem ersten Tag im Vertrieb begrüßt

Warum ist der Vertrieb für Quereinsteiger offen?

Für die meisten Vertriebsstellen gibt es keinen gesetzlich vorgeschriebenen Berufsabschluss. Arbeitgeber achten deshalb stärker darauf, was du konkret kannst: zuhören, Bedarf erkennen, verständlich erklären und dranbleiben, auch wenn ein Gespräch nicht sofort zum Abschluss führt.

Dazu kommt: Im Vertrieb wird Leistung an Kennzahlen gemessen, zum Beispiel an Terminen, Angeboten oder Abschlüssen. Das macht es leichter, dich nach deinen Ergebnissen zu beurteilen statt nach deinem bisherigen Berufstitel. Wer sich strukturiert einarbeitet, kann das in den ersten Monaten sichtbar zeigen.

Welche Vorerfahrungen zählen im Vertrieb?

Entscheidend ist nicht die Branche, aus der du kommst, sondern die Situationen, die du dort gemeistert hast. Viele Tätigkeiten enthalten mehr Vertrieb, als man auf den ersten Blick denkt:

Schreib dir zu jedem Bereich zwei, drei konkrete Beispiele auf. Du brauchst sie später im Lebenslauf und im Vorstellungsgespräch.

Welche Einstiegsjobs gibt es im Vertrieb?

Nicht jeder Vertriebsjob bedeutet Außendienst mit Kaltakquise. Gerade für den Einstieg gibt es Rollen, in denen du viel am Telefon, per Video oder am Rechner arbeitest. Die Gehaltsangaben stammen aus dem StepStone Gehaltsplaner (Median brutto pro Jahr, abgerufen im August 2026).

Inside Sales

Im Inside Sales qualifizierst du Interessenten, führst Erstgespräche und vereinbarst Termine, meist vom Schreibtisch aus. Für Inside Sales Manager nennt StepStone einen Median von 42.900 €. Mehr dazu liest du im Beitrag Inside Sales Manager.

Vertriebsinnendienst

Der Vertriebsinnendienst betreut Bestandskunden, erstellt Angebote, klärt Rückfragen und unterstützt den Außendienst. Wer aus Büro, Service oder Handel kommt, findet sich hier oft schnell zurecht. Einen Überblick gibt der Artikel Was macht ein Vertriebsmitarbeiter?.

Account Management und Customer Success

Im Account Management kümmerst du dich langfristig um bestehende Kunden und baust die Zusammenarbeit aus. StepStone nennt für Account Manager einen Median von 49.000 €. Verwandt ist die Rolle als Customer Success Manager (Median 44.100 €), bei der es darum geht, dass Kunden ein Produkt erfolgreich nutzen.

Was fehlt Quereinsteigern meistens?

Die Kommunikationsstärke bringen viele mit. Was fehlt, ist meist das Werkzeug, mit dem Vertriebsteams heute arbeiten:

Genau diese Lücken fragen Arbeitgeber im Gespräch ab. Wenn du sie mit einer Weiterbildung und Zertifikaten schließt, wirst du als Bewerberin oder Bewerber deutlich greifbarer.

Frau absolviert eine geförderte Weiterbildung im virtuellen Klassenzimmer

Der Weg über eine geförderte Weiterbildung

Wenn du arbeitslos bist oder dir Arbeitslosigkeit droht, kann die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter eine Weiterbildung mit einem Bildungsgutschein nach § 81 SGB III fördern. Voraussetzung ist unter anderem, dass die Weiterbildung notwendig ist, du vorher beraten wurdest und dass Maßnahme und Träger zugelassen sind. Was du im Einzelnen brauchst, steht im Beitrag Bildungsgutschein: Voraussetzungen und Antrag. Ob du gefördert wirst, entscheidet immer der Kostenträger.

Die nach AZAV zugelassene Sales Akademie bietet zwei Vollzeit-Weiterbildungen im virtuellen Klassenzimmer an:

In beiden Kursen erwirbst du 9 Zertifikate, darunter 3 IHK-Zertifikate, eine Salesforce-Zertifizierung und 4 HubSpot-Zertifikate. Bewerbungsunterlagen, Vorstellungsgespräche und eine individuelle Karriereberatung, die bis sechs Monate nach Kursende läuft, sind Teil der Weiterbildung.

Bewerben als Quereinsteiger: So überzeugst du

Als Quereinsteiger konkurrierst du oft mit Bewerbern, die schon im Vertrieb gearbeitet haben. Das heißt nicht, dass du schlechtere Karten hast. Du musst deine Erfahrung nur übersetzen.

Lebenslauf: Erfahrung in Vertriebssprache übersetzen

Setz ein kurzes Profil an den Anfang: drei Zeilen, wer du bist, was du mitbringst und welche Rolle du suchst. Beschreib frühere Tätigkeiten so, dass der Bezug zum Vertrieb sichtbar wird, etwa „Beratung von täglich rund 40 Kundinnen und Kunden“ statt „Verkäuferin“. Nutze nur Zahlen, die du auch belegen oder erklären kannst.

Anschreiben: Den Wechsel begründen

Erklär knapp, warum du in den Vertrieb willst und was dich darauf vorbereitet hat. Entschuldige dich nicht für den Branchenwechsel. Ein konkretes Beispiel aus deinem bisherigen Job überzeugt mehr als allgemeine Eigenschaften wie „kommunikationsstark“.

Übertragbare Erfahrungen belegen

Bereite zwei, drei Situationen nach demselben Muster vor: Was war die Ausgangslage, was hast du getan, was ist dabei herausgekommen? Gute Beispiele sind ein verärgerter Kunde, den du halten konntest, oder eine Empfehlung, die zu einem Kauf geführt hat.

Zertifikate und Tool-Kenntnisse zeigen

Leg im Lebenslauf einen eigenen Abschnitt „Weiterbildung und Zertifikate“ an und nenne die CRM-Systeme, mit denen du gearbeitet hast. Ergänze dein Profil in beruflichen Netzwerken um dieselben Angaben. So sieht ein Personaler auf einen Blick, dass du die fachliche Lücke geschlossen hast.

Vorstellungsgespräch: Mit Rollenspielen rechnen

Viele Vertriebsteams lassen Bewerber ein kurzes Verkaufsgespräch führen. Informier dich vorher über Produkt, Zielgruppe und Wettbewerb des Unternehmens und übe den Ablauf laut, am besten mit einer anderen Person.

Umschulung oder Weiterbildung: Was ist der Unterschied?

Eine Umschulung führt zu einem anerkannten Berufsabschluss, zum Beispiel mit Prüfung vor einer Kammer. Sie ist gegenüber der regulären Ausbildung in der Regel um mindestens ein Drittel verkürzt (§ 180 Abs. 4 SGB III), dauert aber trotzdem oft deutlich länger als eine Weiterbildung. Bei geförderten Umschulungen mit mindestens zweijähriger Ausbildungsdauer gibt es zusätzlich ein Weiterbildungsgeld von 150 € im Monat und Prämien für bestandene Prüfungen (§ 87a SGB III).

Eine Weiterbildung baut dagegen auf dem auf, was du schon kannst, und vermittelt gezielt neue Fachkenntnisse. Für den Einstieg in den Vertrieb ist sie oft der schnellere Weg, weil Arbeitgeber hier vor allem auf praktische Fähigkeiten und Tool-Kenntnisse achten. Eine Umschulung lohnt sich vor allem dann, wenn du für dein Ziel einen formalen Berufsabschluss brauchst.

Dein nächster Schritt

Wenn du wissen willst, ob eine geförderte Weiterbildung für dich infrage kommt, lass dich kostenlos beraten oder ruf an unter 030 31192051. Gemeinsam klärst du, welcher Kurs zu deiner Situation passt und wie du das Gespräch mit deiner Arbeitsagentur vorbereitest.

Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung.

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