Eine berufliche Neuorientierung gelingt am besten Schritt für Schritt: Erst klärst du, was du kannst und willst, dann recherchierst du passende Berufsfelder, holst dir Beratung, planst Qualifizierung und Förderung und probierst das neue Feld aus, bevor du dich bewirbst. Die Bundesagentur für Arbeit bietet dafür kostenlose Online-Tools und eine eigene Beratung für Berufstätige an.

Frau steht an einer Weggabelung als Sinnbild für berufliche Neuorientierung

Woran merkst du, dass es Zeit für etwas Neues ist?

Nicht jede schlechte Woche ist ein Grund, den Beruf zu wechseln. Wenn aber mehrere dieser Anzeichen über längere Zeit zusammenkommen, lohnt es sich, genauer hinzusehen:

Schritt 1: Standortbestimmung

Bevor du nach neuen Berufen suchst, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf dich selbst. Beantworte schriftlich drei Fragen:

Unterstützung bietet das Online-Erkundungstool „New Plan“ der Bundesagentur für Arbeit im Portal mein NOW. Es richtet sich an Menschen im Erwerbsleben, die neue berufliche Perspektiven suchen, und hilft mit Selbsttests, die eigenen Stärken einzuschätzen und passende Entwicklungsmöglichkeiten zu finden.

Schritt 2: Berufsfelder recherchieren

Mit deinen Notizen aus Schritt 1 kannst du gezielt suchen. Die Bundesagentur für Arbeit stellt dafür mehrere kostenlose Angebote bereit:

Ergänzend lohnt sich ein Blick in aktuelle Stellenanzeigen: Welche Anforderungen tauchen immer wieder auf, und welche davon erfüllst du schon? Wähle am Ende zwei oder drei Berufsfelder aus, die du genauer prüfen willst.

Schritt 3: Beratung nutzen

Du musst die Entscheidung nicht allein treffen. Die Bundesagentur für Arbeit bietet die „Berufsberatung im Erwerbsleben“ an. Sie richtet sich unter anderem an Beschäftigte, die sich neu orientieren wollen, an Menschen nach einer Familien- oder Pflegezeit und an Personen ohne Berufsabschluss.

Die Beratung ist freiwillig und kostenfrei und findet vor Ort oder per Video statt. Themen sind zum Beispiel Weiterbildung, Quereinstieg, Berufswechsel, Wiedereinstieg und Umschulung. Einen Termin kannst du online über die Seite der BA vereinbaren oder telefonisch unter der gebührenfreien Nummer 0800 4 555500.

Bist du arbeitslos gemeldet, ist deine Ansprechperson bei der Agentur für Arbeit oder beim Jobcenter die erste Adresse. Dort wird auch geklärt, ob eine Weiterbildung gefördert werden kann.

Beraterin bespricht mit einem Mann Qualifizierung und Förderung

Schritt 4: Qualifizierung und Förderung klären

Oft fehlt für den neuen Beruf noch Fachwissen. Ob eine Weiterbildung oder eine Umschulung sinnvoll ist, hängt davon ab, ob du einen neuen Berufsabschluss brauchst oder gezielt Kenntnisse ergänzen willst. Eine Umschulung führt zu einem anerkannten Abschluss und dauert entsprechend länger. Eine Weiterbildung vermittelt in kürzerer Zeit neues Fachwissen.

Wenn du arbeitslos bist oder dir Arbeitslosigkeit droht, kann die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter die Kosten über einen Bildungsgutschein nach § 81 SGB III übernehmen. Voraussetzung ist unter anderem eine Beratung vor Beginn und eine zugelassene Maßnahme. Bist du beschäftigt, ist eine Förderung laut BA nur in Absprache mit deinem Betrieb möglich. Details findest du unter Bildungsgutschein: Voraussetzungen und Antrag. Ob du gefördert wirst, entscheidet immer der Kostenträger.

Achte bei der Auswahl auf Zulassung, Abschlüsse, Lernformat und Unterstützung beim Jobeinstieg. Eine Checkliste bietet der Beitrag Qualitätsmerkmale einer Weiterbildung.

Schritt 5: Das neue Berufsfeld ausprobieren

Bevor du viel Zeit investierst, teste deine Vorstellung an der Wirklichkeit. Das geht auf mehreren Wegen:

Notiere danach, was dich bestätigt hat und was dich überrascht hat. Das hilft dir bei der Entscheidung und später im Vorstellungsgespräch.

Schritt 6: Entscheiden und umsetzen

Leg dich auf ein Ziel fest und plane die nächsten Monate konkret: Wann klärst du die Förderung, wann beginnt die Qualifizierung, ab wann bewirbst du dich? Überarbeite deinen Lebenslauf so, dass deine bisherigen Erfahrungen zum neuen Beruf passen, und nenne neue Zertifikate an sichtbarer Stelle.

Rechne damit, dass nicht jede Bewerbung sofort klappt. Ein klarer Plan hilft dir, auch bei Absagen dranzubleiben.

Neuorientierung mit 40: Was ist anders?

Mit 40 bringst du in der Regel viel Berufserfahrung mit und hast gleichzeitig noch einen großen Teil deines Arbeitslebens vor dir. Das macht einen Wechsel attraktiv: Eine Qualifizierung von einigen Monaten oder auch eine Umschulung zahlt sich über viele Jahre aus.

Anders als mit Mitte 20 hast du oft mehr Verpflichtungen, etwa Familie, Kredite oder die Pflege von Angehörigen. Plane deshalb besonders genau, wie du Lernzeiten und Einkommen während der Qualifizierung organisierst, und sprich das in der Beratung offen an. Die Förderung durch die Arbeitsagentur ist nicht an ein Höchstalter gebunden.

Ein Vorteil: Du kannst deine Stärken mit echten Beispielen aus fast zwei Jahrzehnten Arbeit belegen. Nutze das in der Bewerbung, statt dich für den Wechsel zu rechtfertigen.

Ist der Vertrieb eine mögliche Richtung?

Wenn du bei der Standortbestimmung merkst, dass dir Gespräche, Beratung und der Kontakt mit Menschen liegen, kann der Vertrieb eine Option sein. Viele Einstiegsrollen wie Inside Sales oder Account Management setzen weniger auf einen bestimmten Abschluss als auf Kommunikationsstärke und Kenntnisse in CRM-Systemen. Einen Überblick gibt der Beitrag Was macht ein Sales Manager?.

Die Sales Akademie bietet dafür die geförderten Vollzeit-Weiterbildungen Sales Manager im digitalen Vertrieb (8 Monate) und Digital Sales Manager (5 Monate) im virtuellen Klassenzimmer an. Wenn du prüfen möchtest, ob das zu dir passt, kannst du dich kostenlos beraten lassen.

Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung.

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