Langzeitarbeitslos ist nach dem Gesetz, wer ein Jahr oder länger arbeitslos ist (§ 18 SGB III). Das kann jeden treffen, etwa nach einer Krankheit, einer Pflegezeit oder dem Wegfall einer Branche. Für diese Situation gibt es gezielte Unterstützung: Beratung, Coaching, Zuschüsse für Arbeitgeber und geförderte Weiterbildungen.

Wichtig ist vor allem eines: Eine lange Arbeitslosigkeit sagt nichts über deinen Wert als Mensch oder deine Fähigkeiten aus. Sie ist eine Situation, aus der es Wege heraus gibt.
Wann gilt man als langzeitarbeitslos?
Die Definition steht in § 18 SGB III: Langzeitarbeitslose sind Arbeitslose, die ein Jahr und länger arbeitslos sind. Kurze Unterbrechungen zählen dabei nicht automatisch als Neuanfang. So unterbrechen zum Beispiel Zeiten einer Erkrankung bis zu sechs Wochen die Dauer der Arbeitslosigkeit nicht.
Für Leistungen, die Langzeitarbeitslosigkeit voraussetzen, bleiben innerhalb von fünf Jahren weitere Unterbrechungen unberücksichtigt (§ 18 Abs. 2 SGB III). Dazu gehören unter anderem:
- Zeiten einer Maßnahme der Arbeitsförderung
- Zeiten einer Krankheit oder Pflegebedürftigkeit
- Zeiten der Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen
- Beschäftigungen oder selbstständige Tätigkeiten von insgesamt bis zu sechs Monaten
Arbeitslosengeld wird nur für eine begrenzte Dauer gezahlt. Wer danach seinen Lebensunterhalt nicht selbst sichern kann, erhält unter Umständen Grundsicherungsgeld vom Jobcenter. So heißt das frühere Bürgergeld seit dem 1. Juli 2026.
Welche Unterstützung gibt es?
Arbeitsagentur und Jobcenter haben verschiedene Instrumente. Welche davon für dich in Frage kommen, hängt von deiner Situation ab und wird im Gespräch geklärt.
Geförderte Beschäftigung mit Coaching
Für Menschen, die lange Grundsicherungsgeld beziehen, gibt es zwei Förderwege, bei denen Arbeitgeber einen Zuschuss zum Lohn erhalten:
- Eingliederung von Langzeitleistungsbeziehenden (§ 16e SGB II): Voraussetzung ist unter anderem, dass du in den letzten 24 Monaten mindestens 21 Monate Leistungen vom Jobcenter bezogen hast. Der Arbeitgeber erhält zwei Jahre lang einen Zuschuss, im ersten Jahr 75 % und im zweiten Jahr 50 % des zu berücksichtigenden Arbeitsentgelts. Das Arbeitsverhältnis muss für mindestens zwei Jahre geschlossen werden.
- Teilhabe am Arbeitsmarkt (§ 16i SGB II): Sie richtet sich an Menschen ab 25 Jahren, die in den letzten sieben Jahren mindestens sechs Jahre Leistungen bezogen haben und in dieser Zeit nicht oder nur kurz beschäftigt waren. Arbeitgeber können bis zu fünf Jahre Lohnkostenzuschüsse erhalten.
Laut Arbeitsagentur gehört zu beiden Angeboten ein persönliches Coaching. Das Jobcenter organisiert es und übernimmt die Kosten. Der Coach unterstützt bei beruflichen und privaten Fragen und bei Startschwierigkeiten in der neuen Stelle.
Ganzheitliche Betreuung
Manchmal stehen persönliche Probleme einer Arbeitsaufnahme im Weg, etwa Schwierigkeiten im Alltag. Dafür kann das Jobcenter eine ganzheitliche Betreuung anbieten (§ 16k SGB II). Ziel ist, deine Beschäftigungsfähigkeit Schritt für Schritt aufzubauen.
Weitere Instrumente
- Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung (§ 45 SGB III): Sie sollen unter anderem Vermittlungshemmnisse feststellen und abbauen. Bei langer Arbeitslosigkeit sollen sie den erhöhten Unterstützungsbedarf berücksichtigen.
- Eingliederungszuschuss (§ 88 SGB III): Arbeitgeber können einen Zuschuss erhalten, wenn deine Vermittlung aus Gründen in deiner Person erschwert ist.
- Vermittlungsbudget (§ 44 SGB III): Angemessene Kosten bei der Anbahnung oder Aufnahme einer Beschäftigung können übernommen werden, wenn das für deine Eingliederung notwendig ist.
Über alle Leistungen entscheidet die zuständige Stelle im Einzelfall. Frag in deinem nächsten Gespräch gezielt nach. Wie du dich darauf vorbereitest, erklärt der Ratgeber Termin bei der Arbeitsagentur.
Wiedereinstieg: Schritt für Schritt statt alles auf einmal
Nach einer langen Pause wirkt der Weg zurück oft riesig. Kleinere Etappen machen ihn überschaubar:
- Standort bestimmen: Was kannst du, was machst du gern, und was ist gesundheitlich und familiär gerade möglich?
- Ziel eingrenzen: Lieber ein bis zwei realistische Berufsrichtungen als eine lange Liste. Hilfe bietet der Ratgeber Welche Weiterbildung passt zu mir?.
- Lebenslauf ehrlich gestalten: Eine Lücke lässt sich erklären, besonders wenn du zeigst, was du in der Zeit gemacht oder gelernt hast. Tipps im Ratgeber Lücke im Lebenslauf.
- Kontakte nutzen: Frühere Kolleginnen, Bekannte oder Vereine wissen manchmal von offenen Stellen, die nirgends ausgeschrieben sind.
- Unterstützung annehmen: Coaching, Beratung oder eine Weiterbildung sind kein Zeichen von Schwäche, sondern Werkzeuge.

Motivation: Wie du dranbleibst
Absagen und lange Wartezeiten können zermürben. Das ist verständlich und geht vielen so. Hilfreich ist, den Blick auf das zu lenken, was du selbst beeinflussen kannst.
- Gib deinem Tag eine feste Struktur, zum Beispiel mit festen Zeiten für die Jobsuche.
- Setz dir kleine Wochenziele und hake erledigte Schritte bewusst ab.
- Sprich mit Menschen, denen du vertraust, statt alles mit dir allein auszumachen.
- Hol dir Hilfe, wenn dich die Situation stark belastet. Ansprechpartner sind zum Beispiel deine Hausärztin oder dein Hausarzt oder regionale Beratungsstellen. Auch das Jobcenter kann dich an Partner vermitteln.
Weiterbildung als Weg zurück in den Job
Eine berufliche Weiterbildung kann helfen, Kenntnisse aufzufrischen und neue Berufsfelder zu erschließen. Sie kann über einen Bildungsgutschein gefördert werden, wenn sie notwendig ist, um dich beruflich einzugliedern, du vorher beraten wurdest und Träger und Maßnahme zugelassen sind (§ 81 SGB III). Kostenträger kann die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter sein. Die Entscheidung liegt in deren Ermessen.
Einen Überblick über die verschiedenen Formen gibt der Ratgeber Weiterbildungsmöglichkeiten. Was du zur Förderung wissen solltest, steht unter Bildungsgutschein: Voraussetzungen und Antrag.
Neustart im digitalen Vertrieb
Der Vertrieb ist ein Berufsfeld, in dem auch Menschen mit unterschiedlichen Lebensläufen Fuß fassen können. Kommunikation, Geduld und Lebenserfahrung sind hier oft wertvoll. Mehr dazu im Ratgeber Quereinstieg in den Vertrieb.
Die ATR Sales Akademie bietet zwei nach AZAV zugelassene Weiterbildungen an: den Sales Manager im digitalen Vertrieb über 8 Monate und den Digital Sales Manager als 5-monatigen Kompaktkurs. Beide finden in Vollzeit im virtuellen Klassenzimmer statt, Laptop, Headset und Maus werden gestellt. Der Weg zum Unterricht fällt damit weg.
Der 8-monatige Kurs gibt dir mit drei Modulen besonders viel Zeit, Schritt für Schritt vom Einstieg in den digitalen Vertrieb bis zu Verkaufsgesprächen mit echten Kunden zu kommen. Nach Kursende begleitet dich in beiden Kursen eine individuelle Karriereberatung bis zu sechs Monate. Einen Arbeitsplatz kann keine Weiterbildung garantieren, sie kann dir aber eine solide Grundlage für den Neustart geben.
Kostenlose Beratung
Du möchtest wissen, ob eine Weiterbildung im Vertrieb zu dir und deiner Situation passt? In einer kostenlosen Beratung nehmen wir uns Zeit für deine Fragen und besprechen deine Optionen für eine Förderung. Telefonisch erreichst du uns unter 030 31192051.
Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung.
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